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Nur noch wenige Tage bis zur
Landratswahl am 10. Juli, und beim zweiten öffentlichen Forum am
Donnerstagabend in Oschersleben hatten die Kandidaten noch einmal
Gelegenheit, Profil zu zeigen und ihre Ziele an den Mann zu bringen. Nicht
dabei sein konnte Franz-Ulrich Keindorff. Der Barleber Bürgermeister, der
für die FDP ins Rennen geht, ließ sich wegen einer lange geplanten
Dienstreise entschuldigen. Sieben der acht Bewerber saßen also auf dem
Podium im Gasthof Schondelmaier, und die Bürger im Saal bohrten bei den
Anwärtern auf das höchste Amt im Kreis zu kommunalpolitischen Positionen
nach.
Oschersleben. Die Bürger forderten die
Kandidaten bei einigen Fragen richtig heraus. Die Themen gingen dabei
querbeet durch das kommunalpolitische Alphabet: Das Nord-Süd-Gefälle bei der
wirtschaftlichen Entwicklung, die ärztliche Versorgung auf dem Land und die
Position zu Großmastanlagen waren genauso Thema wie Bürgernähe oder
Möglichkeiten für den Erhalt des Oschersleber Freibades.
Gerade das lag den Oscherslebern im
Saal besonders am Herzen. Bereits im Vorfeld war klar, dass die Kandidaten
nicht umhin kommen würden, Stellung zu beziehen – obwohl der Landrat auf den
Erhalt eines städtischen Bades wenig Einfluss hat. Was die Bodestädter aber
nicht mehr loslässt, brachte die Oschersleberin Katrin Klenke aufs Tapet und
fragte, welche Finanzierungsmodelle die Kandidaten empfehlen, wären sie
neuer Landrat. "Ich stehe zu dem Freibad, so wie es da steht", sagte
Wolfgang Zahn und appellierte an die Bürger, sich stark zu machen. Der
SPD-Kandidat machte klar, dass ein Landrat lediglich dafür sorgen könne, den
Kommunen - in diesem Fall der Stadt Oschersleben - Luft zum Atmen zu
verschaffen. Sprich: Weniger Geld für die Kreisumlage zu verlangen. "Das
habe ich mir groß auf die Fahne geschrieben", versicherte er. Allein durch
mehr finanziellen Spielraum ließ sich das Problem für andere Kandidaten
nicht lösen. "Wir dürfen nicht so tun, als würde uns das alles neu sein: Die
Stadt hat in den vergangenen 20 Jahren 11 Millionen Euro in beide Bäder
gesteckt", nannte Hans Walker Zahlen. Der CDU-Kandidat sieht die Aufgabe
eines künftigen Landrates deshalb eher darin, zu einem vernünftigen
Finanzierungskonzept für die Gestaltung der Bäderlandschaft insgesamt in
Oschersleben beizutragen, "ob das nun über kommunal- oder
privatwirtschaftliche Modelle oder durch PPP passiert".
PPP ist die Abkürzung für ein Konzept,
bei dem ein Investor eine Partnerschaft mit der öffentlichen Hand eingeht.
Während die anderen Kandidaten auf Bürgerengagement setzten, um den Stadtrat
von der Schließung abzubringen, sagte Reinhard Falke, der als Parteiloser
für die Grünen ins Wahlrennen geht, ganz pragmatisch: "Ein einfacher
Vorschlag: Stellen Sie eine Photovoltaik-Anlage auf. Damit finanzieren sie
das Bad und beheizen es auch noch." Einzelbewerber Bodo Baron von Schilling
würde die Frage an seine künftigen Berater weitergeben, um "sie entscheiden
zu lassen, welcher der richtige Weg ist".
In eine ähnliche Kerbe, nämlich
inwiefern ein Landrat zu bestimmten Angeboten in den Kommunen beitragen kann
und was die Kandidaten nach ihren Möglichkeiten tun würden, traf die Frage
von Katrin Gensecke aus Gersdorf, die direkt an Karsten Wallstab gerichtet
war. "Sie werben damit, eine flächendeckende ärztliche Versorgung
anzustreben. Ich habe ganz große Bauchschmerzen damit. Haben sie denn schon
Konzepte dazu?" Ein fertiges Konzept könne man noch nicht in der Tasche
haben, sagte der Einzelbewerber aus Ebendorf, zählte aber Ansätze auf: "Hier
sind die Krankenkassen mit ins Boot zu holen – vielleicht auch die
Investitionsbank." Und damit junge Leute als Ärzte aufs Land gehen, sei
wichtig, "dass man hier Anreize schafft, beispielsweise über
Praxiseinrichtungen, die gefördert werden". Dass sich junge Ärzte überhaupt
im ländlichen Raum ansiedeln wollen, bezweifelte indes die Gersdorferin und
hakte nach. "Das Problem liegt einfach darin, dass sich ein junger Arzt
nicht aufs Land gezogen fühlt, weil er weiß, was ihn da erwartet. Zum
Beispiel, dass sein Gebiet unterversorgt ist", stellte sie in den Raum.
Daraufhin übernahm Linke-Kandidat
Klaus Lindner das Zepter und machte klar, dass man seitens der
Kreisverwaltung nichts "aus dem Hut ziehen" könne. Er spannte den Bogen
weiter: In Deutschland habe es noch nie soviele Ärzte gegeben wie jetzt.
"Sie sind nur falsch positioniert – es gibt in Gebieten eine Ärzteschwemme,
andere sind dünn besiedelt. Ich glaube nicht, dass dabei eine Kopfprämie
funktioniert", stellte er Wallstabs Ansatz und derzeitige Pläne in
Sachsen-Anhalt infrage. "Das Problem ist ja nicht das Geld, sondern die
Struktur: Die Dienste, die Ärzte zu leisten haben, sowie die Überalterung
der Bevölkerung." Und da sieht er den Bund in der Pflicht.
Konstantin Szymkowiaks Vorschlag, Einzelbewerber aus Haldensleben: Höhere
Honorarsätze als für die Ärzte in der Stadt zahlen. Dass dabei aber weniger
ein Landrat, sondern vor allem auch die kassenärztlichen Vereinigungen (KV)
ein Wörtchen mitzureden haben, brachte Hans Walker in die Diskussion. Die KV
bestimmen die Anzahl an Kassenärzten auf einen Landstrich und die Vergütung.
"Wir leben in einem sich ausdünnenden Bevölkerungsumkreis", erklärte Walker
und sprach Unbequemes aus. "Wir werden uns an andere Dienstleistungsgedanken
gewöhnen müssen." Beispiel: Wolmirstedt. Dort sei ein Fahrdienst für
Patienten eingerichtet worden, nachdem das Krankenhaus dicht gemacht hatte.
Gemeinsam müsse man diesen Pfad begehen und mit Kreis und Kommune Lösungen
suchen.
Der Haldensleber Arnold Schiefer, der
in Gröningen ein Unternehmen führt, sprach die Straßensanierung im Landkreis
an. Seiner Meinung nach sei in der Vergangenheit mehr Geld in den Süden
geflossen. Er fragte, wie künftig die Verteilung der investiven Mittel
aussehen solle. Egal, für welchen Teil des Kreises, Reinhard Falkes Rezept
dafür heißt Fördermittel. "Das ist das Heilmittel!" Er nannte das Beispiel
Ummendorf, wo er Bürgermeister ist. "Dort haben wir keine einzige
Baumaßnahme ohne Fördermittel gemacht." Lindner sah das etwas anders: "Über
Fördermittel regelt sich, welche Regionen im Aufstreben sind." Und deren
Einsatz müsse gesteuert werden. "Wir können nicht immer nur Sachen
rüberreichen an die, die sowieso schon stark sind", positionierte er sich.
Das aber warf Bodo Baron von Schilling in die Debatte. Im Norden gebe es die
größten Kapazitäten und die müsse man selbstverständlich erhalten. "Jeder
hat seine Wünsche. Aber eins ist klar: Ich muss erst ein Schiff am Laufen
halten, dann kann ich das schwächere mitziehen." Zwei Schiffe, die nicht
laufen, gingen irgendwann unter.
Dass er sich damit bei den
Besuchern unter Umständen unbeliebt macht, sagte er offen: "Ich werde
einige sicher momentan nicht ganz an Bord ziehen können und sagen
können, ihr kriegt gleich von mir die goldenen Eier."
Hans Walker und Wolfgang Zahn verwiesen darauf, dass hinter der
Förderpolitik im Kreis immer auch der Kreistag steht. Es gebe eine
Prioritätenliste, die dort beschlossen worden ist – gerade auch für die
Straßen. Das Ziel sei nun, sagte Walker, "das, was auf der Liste steht,
Stück für Stück abzuarbeiten".
Dass die Wirtschaft vor allem in Barleben, Haldensleben oder Wolmirstedt
Konjunktur habe und die Arbeitslosenquoten dort geringer sind als im
Süden, wurde ebenfalls thematisiert. Dass noch mal ein großer Investor
kommt, der mehrere 100 Arbeitsplätze auf einmal mitbringt, glaubte kein
Kandidat. Stattdessen setzten alle auf den Mittelstand. Wie der aber
gestärkt werden kann, sahen sie durchaus unterschiedlich. "Ziel muss es
sein - für Oschersleben, für Wanzleben und die schwachen Regionen, wie
zum Beispiel Oebisfelde oder den Gröninger Raum - mit eigenen Konzepten
neue Arbeitsplätze zu schaffen", gab Walker die Devise aus. Er warnte
davor, Erfolgskonzepte von Investoren aus anderen Regionen direkt auf
den Landkreis Börde zu übertragen. Innovation in der Bildung und bei
Technologien, war Walkers Ansatz.
"Das war von Herrn Walker eine gute Überschrift, aber wir müssen da noch
ein bisschen was druntersetzen", entgegnete Zahn. Netzwerke heißt für
den SPD-Mann das Zauberwort. Als Landrat müsse man eine führende Rolle
einnehmen, um sie aufzubauen. Er sieht die Investitionsbank
Sachsen-Anhalt als wichtigen Partner. "Sie kann doch nur helfen, wenn
Investoren da sind", zog das später in der Diskussion der Oschersleber
Franz Berk in Zweifel. "Ich sehe das komplett anders", holte Zahn dazu
aus und bezeichnete die Investitionsbank als "Schlüsselglied" für die
Verteilung von Investoren-Anfragen im Kreis. Der müsse im Gegenzug die
Gewerbegebiete der Kommunen genau kennen. "Dann würde ich jeden Tag
meinen Wirtschaftsförderer nach Magdeburg zur Investitionsbank
schicken", da müsse man sich einhaken.
Einhaken würde Bodo Baron von Schilling zunächst woanders. Seiner
Ansicht nach wollen viele Betriebe erweitern, wenn sie die Möglichkeit
dazu bekommen würden. Gleichzeitig könne der Landrat aber nicht "mit
großem Geld rumschmeißen", meinte der Groß Bartensleber und sieht die
Banken vor Ort in der Pflicht, den Unternehmen unter die Arme zu
greifen. Die Investitionschancen der Betriebe zu erhöhen, war auch
Wallstabs Ansatz, "um die Auspendler zurückzuholen und hier in Arbeit zu
bringen". Szymkowiak meinte, man müsse das Know-How in den hiesigen
Betrieben erhöhen, damit andere mittelständische Unternehmen nachziehen.
Klaus Lindner kam dagegen zurück auf den Punkt, dass die Ansiedelung von
großen Unternehmen nicht zu erwarten sei. Unterstützen müsse man deshalb
Firmen, die versuchen, "regional, ökologisch und nachhaltig aktiv zu
sein". Das seien diejenigen, die mit der Region verbunden sind und ein
Interesse an ihr haben, sagte der jetzige Magdeburger, der 22 Jahre in
Klein Wanzleben gelebt hat. Im Kreis sei doch auch schon eine Menge
erreicht, führte Reinhard Falke optimistisch ins Feld. "Ich kann mich
erinnern, dass wir mal 20 Prozent Arbeitslosenquote hatten." Das sei
vorbei. Auch die Infrastruktur sei da. Nun müsse man andere Bereiche
erschließen als bislang, wie den Tourismus und alternative Energien, so
der Ummendorfer, dessen Gemeinde energieautark ist und jährlich mehrere
zehntausend Touristen zähle.
Als sich die Vertreter einer Bürgerinitiative aus Gröningen zu Wort
meldeten, kam das Thema Mastanlagen zur Sprache. Die Vertreter der
Initiative wehren sich dagegen, dass ein Mastbetrieb nahe Gröningen auf
10000 Tiere aufstocken will. Karl-Heinz Gronenberg erklärte, dass die
Bürger und der Stadtrat dagegen seien und fragte, "wie die Kandidaten
sich positionieren würden, um die Gröninger zu unterstützen".
Bodo Baron von Schilling, selbst Landwirt, sprang als erster in die
Bresche. "Ich bin gegen Großanlagen - ganz klar." Das sei nicht mehr
artgerecht. Als Landrat müsse man sich aber an Gesetze halten und der
Antrag eines Interessenten sei zu prüfen. "Da kann man nicht nach
Baumann- und Clausen-Art sagen: Lieber Investor, ich nehme deinen Antrag
nicht an", brachte Wolfgang Zahn das auf den Punkt. Dennoch betonte er
sowie die anderen Kandidaten, dass Bürgereinwände ernst genommen werden
müssen.
Lindner: "Man muss die Verantwortlichen unter Druck setzen." Falke
ermutigte: "Es traut sich kein Investor, der massiv Gegenwind bekommt,
über die Köpfe der Bürger hinweg zu entscheiden."
Welchen Stellenwert der Bereich der Landwirtschaft bei den Kandidaten
einnimmt, wollte Hildegard Hildebrand-Koch aus Gröningen wissen. Sie sei
"unentbehrlich", "strukturbestimmend" und der Landkreis "Vorranggebiet"
für die Landwirtschaft, betonten die Kandidaten. Zu Rübe, Weizen und
Kartoffeln herrschte in der Runde somit Konsens.
Als der Oschersleber Torsten Schubert noch wissen wollte, wie die
Verwaltung künftig im Landkreis aufgeteilt werde, kam dagegen wieder
etwas Bewegung ins Podium. Schubert erinnerte daran, dass der Landkreis
in Oschersleben zu einer Zeit, als er noch voll besetzt war, einen der
größten Arbeitgeber darstellte. Wolfgang Zahn kritisierte den
Konzentrationsprozess von der Bodestadt nach Haldensleben, den es seit
der Kreisfusion gab: "Teilbereiche des Sozialamtes – weg, Umweltamt -
weg, Veterinäramt – weg. So etwas wird es mit mir nicht geben." Als ein
Raunen durch den Saal ging, konkretisierte er: Natürlich wolle er von
der Struktur, wie sie jetzt nun mal sei, nichts rückgängig machen. An
"Stellschrauben" müsse man aber drehen.
Reinhard Falke wolle als erstes die "Finanzen auf den Tisch legen" und
prüfen, wo teure Miete gezahlt würde anstatt eigene, leer stehenden
Immobilien zu nutzen, wenn er Landrat wäre. "Letztendlich geht es ums
Geld." Lindner reagierte: "Nicht nur die Wirtschaftlichkeit darf
regieren. Zugang für die Bürger in der Fläche muss da sein." Als
Beispiel nannte er die Bürgerbüros in Magdeburg. Walker plädierte
ebenfalls für Bürgernähe, meinte aber, dass es funktionierende
Strukturen gibt. "Was funktioniert, soll bleiben. Was im Sinne der
Dienstleistung für die Bürger verändert werden muss, muss auf den
Prüfstand."
In der gut zweistündigen Diskussion konnten sich auch die Oschersleber
ein Bild von den Kandidaten machen, nachdem in der Vorwoche das Forum in
Haldensleben stattgefunden hatte. Nun sind rund 155000 Wahlberechtigte
aufgefordert, am 10. Juli ihr Kreuz zu machen.
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Mehr als 180 Bürger sowie Vertreter
von Parteien haben am Mittwochabend das öffentliche Forum mit den acht
Kandidaten für die Landratswahl am 10. Juli im Haldensleber Schützenhaus
besucht. Rund zwei Stunden haben die Bewerber zu den Fragen der Gäste Rede
und Antwort gestanden.
Landkreis Börde. "Acht Kandidaten um
den Posten des Landrates – so viele hatten wir noch nie", sagte
Volksstimme-Redakteur Ivar Lüthe zur Begrüßung. Nachdem sich die Kandidaten
kurz vorgestellt hatten, konnten die zahlreichen Gäste ihre Fragen stellen
und sich ein Bild von den Bewerbern machen. Die Themen des Abends drehten
sich darum, wie mehr Arbeitsplätze geschaffen und junge Familien gehalten
werden können, wo die energiepolitische Zukunft liegt und wie alle Regionen
vom Erfolg des Kreises gleichermaßen profitieren könnten.
Auf die Frage nach gleichwertiger
Entwicklung der Orte bezog sich zum Beispiel Silke Wolf, Bürgermeisterin der
Stadt Oebisfelde-Weferlingen: "Es gibt nicht nur die starken
Wirtschaftsstandorte im Kreis. Fast 80 Prozent der Menschen bei uns sind
Auspendler. Wir haben außerdem marode Straßen. Ich möchte wissen, wie der
künftige Landrat eine gleichmäßige Förderung aller Regionen im Kreis
gewährleisten möchte?" Mit Blick auf das konkrete Problem dieser Grenzregion
sieht Wolfgang Zahn das Land in der Pflicht: "Oberste Prämisse muss es sein,
die Landesstraßen stärker auszubauen." Karsten Wallstab sieht den
Mittelstand als Zugpferd, um den Kreis als Ganzes nach vorn zu bringen: "Wir
müssen diese Unternehmen fördern und erreichen, dass sie junge Leute
einstellen." So kämen auch Steuern in die Kasse, und dann könne man
investieren. "Wir werden keine gleichmäßige Entwicklung hinkriegen. Vielmehr
müssen wir die Stärken der einzelnen Regionen fördern", meinte demgegenüber
Franz-Ulrich Keindorff. Wo Landwirtschaft gut entwickelt sei, müsse sie
weiter gefördert werden. Das gleiche gelte für die Wirtschaftsstandorte und
Orte mit ausgeprägter Kultur.
Wie man die nötigen Arbeitsplätze
schaffen kann, damit die Jugend im Landkreis bleibt, fragte Lothar Göttling
aus Hundisburg. Das Anliegen der Haldensleberin Marlis Schünemann ging in
eine ähnliche Richtung. Sie wollte wissen, wie Familien in den Kommunen
bedarfsgerecht angesprochen und gefördert werden können. Hans Walker sah
eine "gesamtgesellschaftliche Verantwortung", von Eltern, Verbänden,
Vereinen und Unternehmen, das Interesse zu entwickeln, "dass die Jugend
überhaupt Lust bekommt, hier in ihrer Heimat zu bleiben". Lindner sah das
ähnlich, während die anderen sich an dieser Stelle auf die Rolle der Vereine
konzentrierten. Wallstab sagte: "Sie sind eine Grundlage dafür, dass
Jugendliche sich heimisch fühlen." Das bestätigte Reinhard Falke aus seiner
Erfahrung als Ummendorfer Bürgermeister: "Wir haben 30 Vereine. Die Kinder
werden schon ganz jung angesprochen, in einen Verein zu gehen." So könne man
ihnen vermitteln, dass sie dazu gehören, ist er sich sicher.
Außerhalb von organisierten Sport- und
Kulturangeboten meinte Bodo Baron von Schilling, dass es nicht nur
Treffpunkte geben müsse, sondern dass die Jugendlichen dort auch gut betreut
werden müssen. Keindorff entgegnete, dass es dabei in Zeiten knapper Kassen
bei der Jugendarbeit vor allem darauf ankommen, unter den Gemeinden stärker
zu kooperieren. Dafür gebe es im Kreis bereits Ansätze, die weiter
entwickelt werden müssten.
Wo der Kreis in seinem konkreten
Handeln ansetzen könne, da waren sich die Kandidaten einig, sei, dass es
genügend leistungsfähige Unternehmen bräuchte. Ebenso, wenn es um die
schulische Ausbildung gehe, könne der Kreis tätig werden, ergänzte Klaus
Lindner. Viele Unternehmen seien mit den Leistungen von Bewerbern heute
unzufrieden. Haben die Betriebe allerdings junge, gut ausgebildete Leute,
müssten sie auch höhere Löhne zahlen, damit die Jugend nicht abwandert,
sagte Konstantin Szymkowiak.
Die Frage, wie die Kommunen künftig
finanziell entlastet werden können, lag Kai Naundorf aus Oebisfelde am
Herzen. Die Kreisumlage müsse gesenkt werden, strebt Wolfgang Zahn an. Dafür
sieht er auch bei verwaltungsinternen Abläufen Sparpotential. "Wenn die
Gemeinden mit etwas mehr Geld wieder Aufgaben erfüllen können, könnten sie
auch wieder leben." Reinhard Falke setzt dafür auf das Einwerben von
Fördermitteln, während Franz-Ulrich Keindorff vorschlägt, auch neue Wege zu
gehen. Er sprach aus der Erfahrung als Barleber Bürgermeister, wo
beispielsweise mit einer Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und einem
privaten Investor eine Schule gebaut worden war. "Schauen Sie sich an, was
in Barleben erreicht wurde. Das kann man auch in Teilen auf den Landkreis
übertragen."
Auch um bundespolitische Themen kamen
die acht Landratskandidaten nicht herum. Die Haldensleberin Susan Bonath
wollte wissen, wie die Herren im Podium zu Dumping-Löhnen stehen, die auch
im Kreis Thema seien. Hier sprachen sie sich einhellig dagegen aus.
SPD-Bundestagsabgeordnete Waltraud
Wolff und Klaus-Dieter Albrecht aus Haldensleben interessierte vor allem der
energiepolitische Kurs der Bewerber. Insbesondere Biogas-Anlagen waren unter
den Kandidaten umstritten. Konstantin Szymkowiak und Bodo Baron von
Schilling kritisierten diese Form der Energieerzeugung. Die "riesigen
Anlagen", die es zur Biogaserzeugung im Landkreis gebe, würden die Bauern zu
Abhängigen machen, meinte Szymkowiak. Die 35 Anlagen im Kreis werden nur von
einigen wenigen Bauern genutzt und schaffen durch den Mais-Anbau
Monokulturen, monierte von Schilling. Falke brach eine Lanze für die
Biogasanlage. Es müssten ja keine Pflanzen verbrannt werden. "Wir verwenden
beispielsweise in Ummendorf Kuhmist und Grassilage". Walker war sich
unterdessen sicher, dass sich die Technologien in den nächsten zehn Jahren
weiterentwickeln werden. Die Biogasanlagen von heute könnten nur eine
Übergangslösung darstellen.
Wie der neue Landrat ganz
praktisch seine tägliche Arbeit angehen würde, interessierte schließlich
noch Dezernent Joachim Hoeft und Kreistagsabgeordnete Gabriele
Brakebusch. Hoeft: "Wie wollen sie eine Verwaltung mit 950 Mitarbeitern
leiten?" Die Kandidaten waren sich überwiegend darin einig, dass die
Verwaltung gut aufgestellt sei und der neue Landrat in funktionierende
Strukturen einsteigen werde. Verbesserungsmöglichkeiten gäbe es aber
immer.
"Und wie gehen Sie mit dem Kreistag um?", fragte Gabriele Brakebusch.
Zahn und Keindorff, die selbst Kreistagsmitglieder sind, würden das
"gute Miteinander" und die "kons- truktive Zusammenarbeit" zwischen
Verwaltung und Politik auch als Landräte fortsetzen. Walker, der von
1990 bis 1994 im damaligen Landkreis Oschersleben bereits Landrat war,
betonte, man müsse "politische Verantwortung teilen und ehrlich
miteinander umgehen".
Nach dem fast zweistündigen Forum
hieß es von so manchem im Saal, dass er nun etwas klarer sehe, bei wem
er am 10. Juli sein Kreuz machen will.
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Für die bevorstehende Landratswahl
gibt es acht Bewerber, die der Kreistag am Mittwoch auch amtlich zugelassen
hat. Die Frist für Bewerbungen ist nun abgelaufen. Die Bürger wählen am 10.
Juli unter diesen Kandidaten den neuen Landrat für den Landkreis Börde.
Landkreis Börde. Der Kreistag hat am Mittwochnachmittag die acht Bewerber
zur Landratswahl zugelassen. Kreistagsvorsitzender Karl-Heinz Daehre (CDU)
sagte vor der Abstimmung: "Alle Voraussetzungen wurden durch die Verwaltung
geprüft."
Damit steht fest, dass Wolfgang Zahn
(Hornhausen, SPD), Hans Walker (Oschersleben, CDU), Franz-Ulrich Keindorff
(Barleben, FDP), Klaus Lindner (Magdeburg, Linke), Reinhard Falke
(Ummendorf, Grüne) sowie Konstantin Szymkowiak (Haldensleben,
Einzelbewerber), Bodo Baron von Schilling (Groß Bartensleben,
Einzelbewerber) und Karsten Wallstab (Ebendorf, Einzelbewerber) für das Amt
als Landrat ins Rennen gehen.
Damit die Bürger Gelegenheit haben,
die Kandidaten kennenzulernen, laden der Landkreis Börde und die Volksstimme
zu zwei öffentlichen Foren mit den Amtsanwärtern ein. Das erste Forum wird
am Mittwoch, 22. Juni, um 19 Uhr im Schützenhaus an der Masche 5 in
Haldensleben veranstaltet. Zum zweiten öffentlichen Forum wird für
Donnerstag, 30. Juni, nach Oschersleben ins Gasthaus Schondelmaier,
Schermcker Straße 20, eingeladen. Auch hier beginnt das Forum um 19 Uhr.
Beide Veranstaltungen werden in ihrem Ablauf ähnlich sein. Die Bewerber
haben zunächst kurz die Möglichkeit, sich persönlich vorzustellen. Daran
schließen sich Themenkomplexe zu kommunalpolitischen Fragen an, bei denen
die Gäste auch eigene Fragen an die Kandidaten richten können.
Die Landratswahl ist am 10. Juli. Die
Wahllokale öffnen von 8 bis 18 Uhr. Sollten Stichwahlen erforderlich werden,
so ist dafür Sonntag, 7. August, als Wahltermin vorgesehen.
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Eschenrode/Bartensleben
(cbo). Flächentausch ist in der Landwirtschaft ein probates Mittel für eine
effektive Bewirtschaftung von Flächen. Im Zuge eines solchen Tausches kam
der Bartensleber Bodo Baron von Schilling an eine Fläche auf dem so
genannten Drachenberg südlich von Eschenrode. „Es ist wichtig, dass man
sachlich tauscht, um vernünftig zu planen“, weiß der Fachmann aus Erfahrung.
Die so für ihn nutzbare Fläche wollte er in diesem Jahr nicht nur für seine
Bienenzucht nutzen, sondern auch, um einer Herde Schafe eine Weide zu
bescheren. Doch daraus wurde nichts, denn just, als er seine rund 100 Tiere
dorthin gebracht hatte, war eine riesige Fläche davor umgebrochen und mit
Unkrautvernichter behandelt worden. Ihm fehlen nun rund sechs Hektar Land
als Trockenwiese für die Schäferei. Land, das im tiefer gelegenen
Bartensleben und ringsum nicht zur Verfügung steht, weil es einfach zu
feucht dort sei. Für seine Bienen sind rund 20 Hektar Nutzland komplett
vernichtet, schätzte der Bartensleber. Für seine Völker sei brachliegendes
Land gut, da sich dorthin alles aus der Natur ausbreitet und entwickel kann.
Zwar sei der Flächentausch vertrag mittlerweile ausgelaufen, räumte Bodo von
Schilling ein, jedoch sei er, weil er nicht vom Eigentümer gehört hat davon
ausgegangen, dass das Areal nicht genutzt werde und damit weiter für ihn zur
Verfügung stehen würde. „In den letzten Jahren war hier überhaupt nichts
passiert“, schilderte Bodo von Schilling die Situation. Die Natur konnte
sich ungestört entwickeln. Also nahm er an, er könne seine Tiere auf eine
Fläche bringen, die auch im Umfeld ökologisch intakt ist. Doch sei der Acker
davor nun behandelt worden. Das bedeutet, das Land ist unbrauchbar für seine
Schafe und Bienen. Er fürchtet nun um die Ökologie des naturnahen Bereiches
und dass lediglich Mais für den Betrieb einer Biogasanlage angebaut werde.
Für Niederwild und seltene Orchideen, da oben auf dem Berg gedeihen sei die
Bewirtschaftung schlicht eine Katastrophe. Doch das Umweltamt des
Landkreises, das Bodo von Schilling kontaktierte, kann nicht helfen. Es
handelt sich bei den Flächen nicht um ein Landschaftsschutzgebiet, habe er
als Auskunft erhalten.
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